Zeitschrift „Germanistik und Skandinavistik“, Heft 5, 2025

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Redakteure des Heftes: Ivan Tenev, Maria Endreva

Erscheinungsdatum: 10.11.2025 г.

ISSN: 2815-2867

doi: https://doi.org/10.60055/GerSk.2025.5.

Inhaltsverzeichnis (auf Bulgarisch und Englisch)

Vorwort (auf Englisch)

SPRACHWISSENSCHAFT

The aim of this article is to examine the Norwegian kj-sound from the perspective of Norwegian as a second and foreign language. Several studies indicate an ongoing merger of the phonemes /ç/ and /ʃ/. In addition, the kj-sound is considered one of the most difficult sounds for learners to master. This article therefore focuses on how the kj-sound, and the ongoing change associated with it, is presented in teaching materials for Norwegian as a second and foreign language. The chosen material is the textbook Ny i Norge, whose editions span the period from 1977 to 2023. This time span makes it possible to analyse changes in the presentation of the kj-sound over nearly five decades. The research question is how the different editions of Ny i Norge present the kj-sound, and to what extent this presentation has changed over time.

Schlüsselwörter: kj-sound, sj-sound, the phoneme /ç/, the phoneme /ʃ/, Ny i Norge

LITERATURWISSENSCHAFT

Die Untersuchung widmet sich den Romanen Ein Sommer in Niendorf (2022) sowie Zauberberg 2 (2024) des deutschen Autors, Künstlers und Musikers, der seit über 20 Jahren unter dem Künstlernamen Heinz Strunk sehr erfolgreiche erzählerische Literatur verfasst. Seine Beliebtheit ist ungewöhnlich, da sie sich weithin über unterschiedliche kulturelle Bereiche hinweg erstreckt – und das mit einer Art von Humor, die nicht auf den breiten Massengeschmack ausgerichtet ist, sondern eher als Nischengenre erscheint. Seine beiden letzten Romane nehmen sehr offen Anleihen am Werk Thomas Manns. Dies wird hier zum Anlass genommen, das Verhältnis von populärer Unterhaltungsliteratur- und kultur, traditioneller Hochliteratur und Humortheorie auszuloten. Eingrenzend werden dafür die durchgängig präsenten Motive Alter und Krankheit fokussiert.

Schlüsselwörter: Heinz Strunk, Thomas Mann, Humor, Unterhaltung, Krankheit, Alter

Die Verantwortung der Schriftstellerin. Das Essay Mädchen von Teresa Preauer (auf Bulgarisch)

Violeta Vicheva Institut für Literatur, Bulgarische Akademie der Wissenschaften (Bulgarien)

doi: https://doi.org/10.60055/GerSk.2025.5.45-54

This text examines Teresa Präauer’s essay as an opportunity to approach the answer to the questions of engagement in art today, of the elusive boundary between radical and provocative art on the one hand and tendentious provocation on the other. By examining the way in which the essay names the definitions and limitations related to the girl, the article traces the relationship between the writer’s stated method and its application. The established inconsistency is interpreted as provoking the need for reader engagement at the expense of the author’s and in relation to the topic.

Schlüsselwörter: engagement, provocation, girl, Theresa Präauer

Neucodierung fotografischer Bilder im literarischen Kontext

Ralitsa Ivanova Hll.-Kyrill-und-Method-Universität in Veliko Tarnovo (Bulgarien)

doi: https://doi.org/10.60055/GerSk.2025.5.55-80

Der Beitrag untersucht Evelyn Schlags literarischen Umgang mit dem fotografischen Medium im Spannungsfeld zwischen Text und Bild, insbesondere in Anlehnung an Bertolt Brechts „Kriegsfibel“ und Emil Gataullins Fotoband „Bis zum Horizont“. Während Brechts konzeptueller Einsatz von Bild-Text-Kombinationen der kritischen Reflexion politischer Wirklichkeit dient, greift Schlag Gataullins humanistisch geprägte, kontemplative Schwarz-Weiß-Fotografien der russischen Provinz auf, um ihren Romanraum zu formen. Die fotografischen Motive fungieren als intermediale Impulse: Sie liefern nicht nur die Kulisse für Schlags Erzählung, sondern strukturieren auch deren Zeitlichkeit. Durch den Einsatz ekphrastischer Verfahren gelingt es Schlag, Gataullins entschleunigte Bildsprache literarisch zu übersetzen und eine Erzählweise zu entwickeln, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinandergreifen. Der Horizont als zentrales Motiv verweist dabei gleichermaßen auf geografische Weite wie auf existenzielle Suche. In der Verschränkung von Fotografie und Literatur entsteht ein vielschichtiges Narrativ über Frieden, Erinnerung und das menschliche Bedürfnis nach einem sinnstiftenden Alltag.

Schlüsselwörter: Dekontextualisierung, Reideologisierung und Neucodierung von fotografischen Bildern im literatischen Kontext

Überzeitliche Vorbildlichkeit der klassischen Werte: Die Position Emil Staigers in den 1930er – 1950er Jahren

Angel Valentinow Angelow Institut für Literatur, Bulgarische Akademie der Wissenschaften (Bulgarien)

doi: https://doi.org/10.60055/GerSk.2025.5.81-105

Gegenstand der Analyse sind Schriften von Staiger aus den 1930er und 1950er Jahren. Ziel ist es aufzuzeigen, worin die antimoderne Ausrichtung seines Konzepts besteht. Sein Konzept wird in Beziehung zum Begriff der „engagierten Literatur“ betrachtet. Präsentiert wird Staigers Position in zwei Vorträgen aus dem Jahr 1937, deren Gegenstand die deutsch-schweizerische Freundschaft im geistigen Leben ist. Ich stelle fest, dass für Staiger das Werk Adalbert Stifters von Bedeutung ist, aufgrund der Verbindung von künstlerischer Form und Moralität, von Ordnung und Kunsthaftigkeit und begründe, dass es möglich ist, Staigers Interpretationen einer grundlegenden Position der Theorie des sozialistischen Realismus gegenüberzustellen. Gerade das unhistorische Verständnis des Klassischen kann zur Unterstützung einer totalitären Gesellschaftsordnung herangezogen werden, deren Ziel es ist, ihre Macht zu verewigen und die Geschichte zum Stillstand zu bringen.

Schlüsselwörter: Emil Staiger, antimoderne und klassische Werte, Goethes „Novelle”, deutsch-schweizerische Freundschaft, Michail Lifschitz

Der Artikel geht von den Werken dreier deutschsprachiger Autor*innen mit Migrationshintergrund aus: Abbas Khider, Saša Stanišić und Marica Bodrožić. Vor dem Hintergrund einer sprachlich-stilistischen Analyse von Passagen aus ausgewählten Texten wird über die verschiedenen Herangehensweisen der Autor*innen an die für sie ursprünglich fremde deutsche Sprache reflektiert. Ob die ironiebeladene Haltung von Abbas Khider in Deutsch für alle. Das endgültige Lehrbuch (2019), der liebevolle, vertraulich-verschwörerische Umgang mit Sprache von Marica Bodrožić in Sterne erben, Sterne färben (2007) oder das mehrschichtige, semantische Besonderheiten mit narrativen Methoden verknüpfende Vorgehen von Saša Stanišić in Herkunft (2019) – alle diese Verfahrensweisen spiegeln eine entsprechende Art der Realitätsbewältigung wider. Eine notwendige Realitätsbewältigung, die aus dem erlebten Lebenswandel, sowie aus dem Bedürfnis nach sprachlicher Integration und nach Selbstbestimmung resultiert. In einem weiteren Schritt werden deswegen die ermittelten Herangehensweisen an Sprache auf die veränderten Identitätskonzepte bezogen und theoretisch begründet. Zur theoretischen Grundlage dienen dabei sowohl sprachwissenschaftliche Untersuchungen über Migrantensprachen wie z. B. von Uwe Hinrichs als auch kulturtheoretische Ansätze wie diejenigen von Homi K. Bhabha und der Forschung über Inter- und Transkulturalität. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den von den Autor*innen selbst in den ausgewählten Werken integrierten Reflexionen über Sprache und ihre Rolle auf der Suche nach der eigenen Identität.

Schlüsselwörter: Sprache, Migrationsliteratur, Abbas Khider, Saša Stanišić, Marica Bodrožić

Der Text analysiert Rögglas Bauernkriegspanorama und versucht in einer Systematisierung der vielfältigen Themen im Essay, die Hauptthese zu begründen, dass der Postnationalismus mit seiner wilden Ökonomisierung des Lebens die totgeglaubten Kräfte des Nationalismus wieder aktiviert. Es wird zuerst auf die negativen Effekte der wirtschaftlichen Globalisierung hingewiesen, die zur Verunsicherung des Menschen und zur Verherrlichung der Vergangenheit als einem idealisierten Topos führen und dann wird die Rolle des Literaten als Schöpfer neuer Perspektiven erörtert.

Schlüsselwörter: Kathrin Röggla, Postnationalismus, Bauernkriegspanorama, Globalisierung, Österreichische Literatur

Die Rezeption Knut Hamsuns im rumänischen und bulgarischen Kontext (auf Norwegisch)

Diana Lățug Babeș-Bolyai-Universität Cluj (Rumänien)

Evgenia Tetimova Sofioter Universität „St. Kliment-Ohridski“ (Bulgarien)

doi: https://doi.org/10.60055/GerSk.2025.5.134-154

This article is the first comparative attempt to analyze Knut Hamsun’s reception in Romania and Bulgaria, showing how peripheral cultural positions influence both the interpretation, translation and publication of his work. It summarizes the results of Romanian research and compares them with similar Bulgarian research. This is the first attempt to compare Knut Hamsun’s reception in two countries, centered on two peripheral cultures and neighboring countries. The aim is to show possible similarities and differences between Hamsun’s reception in Romania and Bulgaria and to contribute to the larger topic of Hamsun’s reception in the world.

Schlüsselwörter: reception, periphery, translations, articles, press

KULTURWISSENSCHAFTEN UND LANDESKUNDE

Richard Wagners Stellenwert in der Ideengeschichte des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts (auf Bulgarisch)

Ivan Popov Sofioter Universität „St. Kliment-Ohridski“ (Bulgarien)

doi: https://doi.org/10.60055/GerSk.2025.5.156-172

The paper examines certain key points of the composer Richard Wagner’s aesthetic doctrine, reconstructing both their origins and their influence on the philosophical and artistic work of Friedrich Nietzsche and Thomas Mann. The particular conferment of political functions to art that we find in Wagner is the result of a diagnosis of Western European culture, according to which modern society has developed in an all too one-sided way, suppressing any creative impulses in the individual. The text traces how Nietzsche and Mann take up and further develop these ideas. The historical-anthropological approach to the past of culture is also able to illustrate important differences that exist between the German and Bulgarian reception of said ideas during the last decades of the nineteenth century.

Schlüsselwörter: Richard Wagner, Friedrich Nietzsche, Thomas Mann, art and politics, modern society

METHODIK UND DIDAKTIK

Unsere Lieblingsorte – interkulturelles Lernen im DaF-Unterricht anhand eines Video-Tandem-Projekts

Johanna Himmer Sofioter Universität „St. Kliment-Ohridski“ (Bulgarien)

Lisa Settari Universität „Alexandru Ioan Cuza“ Iași (Rumänien)

doi: https://doi.org/10.60055/GerSk.2025.5.174-191

In diesem Beitrag wird ein digitales Tandemprojekt vorgestellt, das von zwei OeAD-Lektorinnen im Rahmen von Lehrveranstaltungen für Deutsch als Fremdsprache durchgeführt wurde. Bulgarische und rumänische Studierende produzierten in Kleingruppen Videos über ihre jeweilige Stadt, um sie ihren Peers im Partnerland vorzustellen. Ziel des Projekts war es, die mündlichen Sprachfertigkeiten kreativ und eigenständig zu fördern, Deutsch als internationale Kommunikationssprache erlebbar zu machen sowie interkulturelle Kompetenzen zu stärken. Ergänzend analysierten die Gruppen jeweils ein Partner-Video, was einen vertieften Austausch, Perspektivwechsel und den Aufbau von Feedbackkompetenz förderte. Der Beitrag soll Einblicke in ein praxisnahes Lehrprojekt geben und zur Durchführung ähnlicher interkultureller Lernformate im DaF-Unterricht anregen.

Schlüsselwörter: Interkulturelles Lernen, Deutsch als Fremdsprache, Videoprojekt, Tandemprojekt, Peer-Feedback

REZENSIONEN

Mit der Publikation Theater der Leere legt Teresa Kovacs eine umfassende Studie zu zeitgenössischen Theaterschaffenden vor, bringt Heiner Müller, Elfriede Jelinek, Christoph Schlingensief und René Pollesch in den Fokus der Diskussion und zeigt, was es bedeutet, wenn der Nullpunkt zum zentralen Energiefeld des Theaters wird. Ziel der Autorin dieser höchst interessanten Abhandlung ist es, das theatrale Imaginäre der Gegenwart, das über das Drama und das repräsentative Theater hinausgeht, fassbar zu machen und zu benennen.

Am 2. Oktober 2025 wurde in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Warschau das gemeinsame deutsch-polnische Geschichtsbuch vorgestellt, das den Titel „Europa – Unsere Geschichte / Europa. Nasza historia“ trägt. Erschienen ist die vierbändige Publikation bei Eduversum (deutsche Fassung) und dem polnischen Partner-Verlag Wydawnictwa Szkolne i Pedagogiczne (polnische Fassung). Es handelt sich dabei um eine Reihe von vier Schulbüchern, die für den regulären Einsatz im Geschichtsunterricht bestimmt und mit den Lehrprogrammen in Polen und in der BRD kompatibel sind (einschließlich der Lehrpläne für die einzelnen Bundesländer).

IN WETTBEWERBEN AUSGEZEICHNETE ÜBERSETZUNGEN

In March 2025, the German Philology program at Sofia University St. Kliment Ohridski announced its fourth Student Translation Competition from German into Bulgarian. The competition is dedicated to the memory of Prof. Boris Parashkevov (1938–2021), a long-time professor in German Philology, a prominent Germanist of international renown, a specialist in diachronic linguistics, etymology, history, and historical grammar of the German language, who left behind a valuable body of translations from German and Finnish that will remain an example of a professional approach to translation and a mastery of the translator’s craft.

Übersetzungswettbewerb aus den skandinavischen Sprachen zu Ehren von Prof. Dr. Vera Gancheva

Gergana Vaseva, Radost Yovkova, Kalina Branzova, Yoan Ivanov, Ivaylo Aleksandrov, Boyana Stoyanova

In early 2025, the Scandinavian Studies program at the Department of German and Scandinavian Studies at Sofia University St. Kliment Ohridski held the fourth edition of the competition for the translation of fiction and poetry for students and pupils studying Scandinavian languages. The competition is dedicated to the memory of Prof. Dr. Vera Gancheva, a prominent Scandinavist, translator, teacher, publisher, and scholar. A record number of participants (40) took part in the fourth edition of the competition, with a total of 67 translations.

Essay-Wettbewerb auf Dänisch

Lora Angelova, Mihaela Tekelova, Martin Borizanov

Since 2015, the Hans Christian Andersen Centre for Research and Information at Sofia University St. Kliment Ohridski, the Embassy of the Kingdom of Denmark in Sofia, and the Danish Agency for Culture and Palaces have organized an annual essay competition in Danish. This year’s edition of the competition was held under the title “The Things I Love…”. Participants were asked to write an essay inspired by Hans Christian Andersen’s 1830 poem “The Things I Love” (Hvad jeg elsker). The year 2025 marks the 150th anniversary of the famous Danish writer’s death.

STUDIERENDENPROJEKTE

Der Essay-Wettbewerb (2025): „Rilke heute – Worte, die bleiben“ – eine Einleitung

Jacqueline Dyballa, Johanna Himmer, Vian Kisyova, Gergana Georgieva, Bianka Mesova, Magdalena Babacheva

Anlässlich des 150. Geburtstags von Rainer Maria Rilke widmete sich der diesjährige Essay-Wettbewerb der Österreich-Bibliothek Sofia – in Zusammenarbeit mit dem OeAD und dem DAAD – dem Werk eines der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker des 20. Jahrhunderts. Schüler:innen und Studierende aus ganz Bulgarien waren eingeladen, unter dem Motto „Rilke heute – Worte, die bleiben“ ein Gedicht Rilkes auszuwählen und auf dessen Grundlage einen persönlichen Essay zu verfassen.